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Cosplay – nur japanischer Karneval?

Auf den ersten Blick muten Cosplayer für westliche Augen häufig sehr seltsam an. Da laufen irgendwelche Menschen in seltsamen Kostümen herum und scheinen komplett in ihrer Rolle aufzugehen. Aber Cosplay ist weit mehr als ein einfaches Verkleiden wie etwa beim Karneval, vielmehr ist es ein eigener Zweig der japanischen Popkultur, der auch im Westen immer mehr Verbreitung findet. Das Wort Cosplay ist eine Wortschöpfung, die aus den englischen Begriffen „costume“ und „play“ zusammengesetzt wurde und folgerichtig mit „Kostümspiel“ übersetzt werden könnte. Allerdings sagt diese Übersetzung längst nicht das aus, was Cosplay wirklich ausmacht. Seinen Ursprung hat diese japanische Kostümierungskultur in den 80er Jahren. Damals verwendete der Gründer des japanischen Verlagshauses Studio Hard, Nobuyuki Takahashi, erstmals den Begriff Cosplay.

Hohe Qualität zeichnet die Kostüme beim Cosplay aus

Auch westliche Cosplays gewinnen an Bedeutung. Vor allem Fantasy-Charaktere, Superhelden und Games-Figuren sind beliebt.

Grundsätzlich definiert sich das klassische Cosplay als die Verkleidung des Teilnehmers als eine Figur, die aus Mangas, Animes, Filmen oder auch Videospielen stammen kann. Dabei gibt es auch noch Unterformen, wie etwa J-Rock Cosplays, wo keine Fantasiefiguren verkörpert werden, sondern Mitglieder von Musikbands. Das Manga Cosplay war vermutlich der Ursprung der Bewegung. Typisch für Cosplayer ist es, dass die Kostüme sehr oft selbst angefertigt werden (wenngleich der Trend zu gekauften Kostümen ebenfalls zunimmt). Sehr stark wird auf eine hohe Qualität und Treue zur Originalvorlage geachtet. Während zunächst durch das Manga Cosplay in erster Linie Figuren aus den Comics japanischer Machart verkörpert wurden, verschwammen schnell die Grenzen und auch das Anime Cosplay (also die Verkleidung als eine Zeichentrickfigur) wurde rasch populär. Nicht weniger bedeutsam ist für ernsthafte Cosplayer die Verkleidung als Videospielfigur, die in Japan oft einen ähnlichen Kultstatus erlangen wie hierzulande Schauspieler bzw. deren Kunstfiguren. Besonders in den 90er Jahren nahm dieser Trend zu und wurde beispielsweise über das Pokemon Cosplay auch einer breiteren Öffentlichkeit in aller Welt bekannt.

Sailor Moon Cosplay ist auch in Deutschland sehr beliebt

Das Anime Cosplay erlangte in anderen Ländern schnell eine gewisse Bedeutung, wenngleich das Cosplay in Deutschland immer noch als eine Art Kuriosität gilt, was vermutlich auch daran liegt, dass der breiten Öffentlichkeit die Figuren schlicht nicht bekannt sind und die Verkleidungen entsprechend merkwürdig anmuten können. Anders ist dies etwa beim Thema Star Wars oder Star Trek, da diese Figuren selbst Leuten bekannt sind, die mit der Thematik an sich wenig anfangen können. Eine der Varianten, die auch hierzulande von vergleichsweise vielen Leuten erkannt wird, ist das Sailor Moon Cosplay, denn diese Animeserie war in den 90er Jahren in Deutschland recht erfolgreich und verfügt über einen entsprechenden Bekanntheitsgrad. Ähnliches könnte man im Videospielbereich auch für das Pokemon Cosplay sagen. Insgesamt ist in Deutschland das Anime Cosplay häufiger anzutreffen als das reine Manga Cosplay, weil die Comics eine geringere Verbreitung haben als die Zeichentrickfilme oder Videospiele.

Anime Cosplay wird von den Machern sehr ernst genommen

Sowohl beim Anime Cosplay als auch bei allen anderen Spielarten des Cosplay gilt, dass nicht nur ein möglichst perfektes Kostüm und die Präsentation desselben im Vordergrund stehen. Vielmehr schlüpfen die Teilnehmer mit Haut und Haar in die Rolle ihres jeweiligen Charakters und gehen darin auf. Gerade das wirkt auf Unbeteiligte manchmal etwas merkwürdig und wird im Westen oft als eine seltsame Marotte abgetan. Doch im Prinzip ist es nur die konsequente Darstellung eines Charakters und nicht nur das Schaulaufen mit einem Kostüm, wie es etwa bei anderen Veranstaltungen oft der Fall ist. Es überrascht daher nicht, dass es mittlerweile nicht nur in Japan große Conventions gibt, die regelmäßig abgehalten werden und wo sich die Cosplayer in Wettbewerben präsentieren können. Dabei geht es überraschend ernsthaft zu, denn da die Teilnehmer ihre Darstellung als physische Verkörperung des Charakters verstehen, möchten sie natürlich auch einen entsprechend authentischen Eindruck machen.

Aufwendige Cosplays mit großen und beweglichen Teilen und einer hohen Originaltreue ernten oft die größte Bewunderung.

Cosplay-Wettbewerbe in Japan und im Westen unterscheiden sich im Detail

In Japan ist die wettbewerbsmäßige Präsentation beim Cosplay meist stark reglementiert. Anders als in Europa gibt es hier sehr viel seltener künstlerische Darbietungen. So singen beim Anime Cosplay in Deutschland und anderen westlichen Ländern die Teilnehmer häufig Titellieder der jeweiligen Serie, rezitieren bekannte Textstellen aus Episoden bzw. Filmen (gerne auch im japanischen Original) oder führen bestimmte Choreographien oder Moves vor, die sich in Videospielen oder Animes finden lassen. In Japan ist hingegen die Qualität und Authentizität des Kostüms maßgeblich. Während das Cosplay in Europa bislang ein Nischendasein fristet, kann man in Japan inzwischen richtig Geld mit Manga Cosplay oder anderen Varianten verdienen. Die Popularität mancher Darsteller geht soweit, dass sie sogar auf Sammelkarten verewigt wurden, etwas, das in anderen Ländern eher Sportstars vorbehalten ist. Nicht wenige Cosplay Darsteller haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und verdienen ihr Geld mit Auftritten oder dem sekundären Geschäft, wie etwa dem Betreiben entsprechender Webseiten, Blogs und natürlich auch Shops, wo Kostüme und Zubehör erworben werden können.

Auf Conventions treffen sich tausende Gleichgesinnte

Auf Conventions werden oft Fotostunden angeboten, bei denen sich Cosplayer kostenlos professionell fotografieren lassen können. Doch auch eigene Shootings im Außenbereich sind beliebt.

<>Auch in Sachen Conventions zieht der Westen immer mehr nach. Kein Wunder, dass es auch in Deutschland mittlerweile einige tolle Veranstaltungen gibt. Im Hinblick auf den kulturellen Austausch und die Freundschaft der Nationen fördert auch die japanische Regierung das Cosplay in anderen Ländern und zeichnet besonders gelungene Veranstaltungen wie die Connichi mit Preisen aus. Das sind die wichtigsten Conventions in Deutschland, deren Besuch auf jeden Fall lohnt:

Die Animagic in Bonn

Seit 1999 hat sich die Animagic im Ruhrgebiet etabliert und ist mittlerweile zu einer der größten Anime-Conventions in Deutschland aufgestiegen. Jährlich besuchen etwa 15.000 Fans der japanischen Anime- und Pop-Kultur das dreitägige Event. Neben vielen Ehrengästen aus den Bereichen Manga und Musik – zu erwähnen seien dabei zum Beispiel die Mangaka Satoshi Urushihara, Arina Tanemura und Kanan Minami sowie die Musiker the GazettE, Miyavi, Yoko Kanno und Kalafina – bietet die Animagic jedes Jahr im Sommer ein buntes Rahmenprogramm mit Cosplay-Wettbewerben, Anime-Kino, Workshops, Verkaufsständen und großem Außenbereich, der gern von Cosplayern für Fotos genutzt wird.

Die Frankfurter und die Leipziger Buchmesse (MCC)

Auch auf den beiden größten Buchmessen Deutschlands tummeln sich seit Jahren begeisterte Anhänger des Cosplays und der japanischen Popkultur. Die Frankfurter Buchmesse (FBM) im Oktober ist zwar insgesamt größer und kann leicht höhere Besucherzahlen vorweisen als die Leipziger Buchmesse (LBM) im März, doch gerade was die Manga- und Anime-begeisterten Besucher anbelangt, hat Leipzig doch stets die Nase vorn. Seit 2014 gibt es deshalb neben der LBM auch eine extra Manga-Comic-Convention (MCC), der eine komplette Halle mit über 280 Messeständen gewidmet ist. 2015 zählte die MMC ganz 93.000 Besucher. Sowohl auf der Frankfurter Buchmesse als auch (vor allem) auf der MCC in Leipzig finden moderne Japanbegeisterte alles, was das Herz begehrt – Cosplaywettbewerbe inklusive.

Die DoKomi in Düsseldorf und die Connichi in Kassel

Über 17.000 Besucher zog es im Mai diesen Jahres nach Düsseldorf zur DoKomi, ebenfalls eine der größten Anime-Messen in Deutschland. Noch mehr Cosplayer, Manga-Fans und Japanbegeisterte fanden sich allerdings im September auf der Connichi in Kassel ein: 26.000 Gäste zählte man dieses Jahr. Beide Zahlen sind für die Veranstaltungen neuer Rekord und zeigen das stetig wachsende Interesse der vornehmlich jungen Generation an der Cosplay-Kultur. Beide Conventions bieten den Besuchern zahlreiche Workshops, Bühnenaction, Musik-Acts und natürlich Ehrengäste aus Japan. Zu erwähnen seien hier die Mangaka Rihito Takarai, die auf der Connichi an allen drei Tagen eine Signierstunde abhielt, und die Live-Painting Künstlerin Kozue Kodama, die auch vor Ort auf der DoKomi neue Kunstwerke malte. Übrigens waren wir von Japanwelt wieder im Händlerbereich auf der Connichi vertreten und konnten uns über ein reges Interesse an unseren vornehmlich traditionellen japanischen Produkten freuen. Wer hat uns diesmal am Stand besucht?

Neue und kleine Conventions sind im Kommen

Kurzentschlossene sollten auf jeden Fall vom 23. – 25.10.2015 die Mega Manga Convention (MMC) in Berlin besuchen. Im Fontanehaus warten Workshops, ein buntes Bühnenprogramm mit diversen Performance Künstlern und Musikacts, eine Artist Alley und ganz viel mehr darauf von euch entdeckt zu werden. Selbstverständlich sind auch wir von Japanwelt als Händler dabei – wir freuen uns über jeden, der vorbeikommt!

Die MMC (erste Veranstaltung im Jahr 2002) und die AniMaCo sind mit je etwa 10.000 Besuchern zwei kleinere Conventions in Berlin, die sich seit 2004 jedes Jahr im Fontane-Haus abwechseln. Aber auch viele neue Conventions oder kleinere Conventions gibt es in ganz Deutschland – ein Trend, der in den letzten sieben Jahren stark zugenommen hat. Cosplayer können in vielen Regionen Deutschlands zusätzlich zu den großen und bekannten Cons zum Beispiel folgende Events besuchen: Die NipponCon in Bremen (seit 2010), die ChisaiiCon (seit 2009) und die MaGnology (seit 2015) in Hamburg, die DeDeCo in Dresden (seit 2012), die Contaku in Magdeburg (seit 2008), die NiCon in Hannover (seit 2005), die BiMaCo in Bitterfeld (seit 2011), die Hanami in Ludwigshafen am Rhein (seit 2006), die Contopia in Dortmund (seit 2012), die WieMAI.KAI in Wiesbaden (seit 2007), die J-Con in Merzig (seit 2011) die TiCon in Würzburg (seit 2008) und die Animuc in Fürstenfeldbruck bei München (seit 2009). Auf allen Conventions gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm in oft familiärer Atmosphäre. Und auch zukünftig wird das wachsende Interesse an Cosplay und der japanischen Pop-Kultur sicherlich einige engagierte Szeneliebhaber beflügeln, eine neue Convention auf die Beine zu stellen.

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