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Stempelsammeln in Japan – Eki-Stamps, Tempel & Pokémon

Stempel sind tief in der japanischen Kultur verankert und das Stempelsammeln ist in Japan mitunter nicht nur ein Hobby. Wir stellen euch in diesem Beitrag die japanische Stempelkultur (スタンプラリー) und die wichtigsten Stempelarten vor.

Das reicht von den so genannten Eki-Stempeln, die man an Bahnhöfen findet, über die besonders traditionsreichen und auch spirituell bedeutenden Tempelstempel oder Goshuin bis hin zu Anime- und Pokémon-Stempel. Dabei stellen wir auch das Konzept der Stempel Rallys vor, das in Japan weit verbreitet ist und bei der die Teilnehmer versuchen eine bestimmte Anzahl von Stempeln in einem gewissen Zeitrahmen zu sammeln.

Zusätzlich geben wir praxisnahe Erklärungen zur Tourenplanung, Stempelstandorten bei den unterschiedlichen Stempelarten sowie zu traditionellen und modernen Sammelbüchern. Zuletzt geben wir natürlich auch wieder praktische Tipps zum Stempelsammeln in Japan sowie Spezialtipps zum richtigen Verhalten, wenn man einen Goshuin-Stempel in einem Tempel machen möchte.

 

Nahaufnahme eines Goshuin, eines handgeschriebenen Tempelstempels in einem Goshuincho in Japan
Ein Goshuin verbindet kunstvolle Kalligrafie, rote Tempelsiegel und das Datum des Besuchs. Foto © Zonghao Feng, pexels

 

Warum ist Stempelsammeln in Japan so beliebt? – Ursprung, Bedeutung & Kultur

Das Stempelsammeln ist in Japan gleich aus mehreren Gründen so beliebt. Da sind zum einen die kulturellen Faktoren wie Ordnung, Sammelleidenschaft und Gamification, die in Japan alle einen wichtigen Platz einnehmen.

So ziehen Sommerferien-Rallys, bei denen die Teilnehmer bestimmte Stempel sammeln müssen, nicht nur jedes Jahr Millionen von Teilnehmern an, sondern viele Städte in Japan nutzen inzwischen sogar punktbasierte Sammelstempel in ihren jeweiligen Tourismus-Apps. Dadurch können Besucher digitale und echte Stempel sammeln und die Stadt kann die Beliebtheit von Touristenattraktionen besser tracken und zudem auf vielleicht weniger bekannte aber sehr sehenswerte Orte hinweisen.

Ein anderer Grund für die große Beliebtheit des Stempelsammelns in Japan sind die tiefe Verwurzelung von Stempeln selbst in der japanischen Kultur. Deren Geschichte reicht im Land der aufgehenden Sonne mehr als tausend Jahre zurück und hat seine Wurzeln in religiösen Siegeln (jap. Goshuin) und Pilgerreisen.

Später dienten Stempel auch als Identifizierungsinstrument zuerst für die kaiserliche Familie, später dann auch für Samurai und Adelige. Diese alte Tradition hat sich mit den in Japan bis heute obligatorischen Hanko bzw. Inkan Stempel bis heute erhalten, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn ein offizieller Akt oder größere finanzielle Transaktionen anstehen (zum Beispiel ein Autokauf, Immobiliengecshäfte, die Eröffnung eines Bankkontos usw.).

Dies ist zwar ein gänzlich anderer Bereich der Nutzung von Stempeln, wenn man es mit dem eher spielerischen Sammeln vergleicht, zeigt aber deutlich, wie wichtig Stempel in der japanischen Kultur bis heute sind. Erfahre mehr über die Verwendung von Hanko und Inkan.

Das Stempelsammeln ist in Japan generationsübergreifend beliebt und wird von Kindern wie Erwachsenen und Senioren betrieben. Für die anhaltende Beliebtheit sind dabei auch die heute üblichen Kooperationen zwischen Stempeldesigns und -anbietern mit z.B. Bahnlinien, Marken, Museen und Anime mit verantwortlich.

Auch für Touristen bietet das Sammeln von Stempeln eine tolle Möglichkeit für individuelle Erinnerungen. Zudem haben die Stempel häufig auch einen gewissen künstlerischen Wert, was durch ihre Größe von meist zwischen 6 und 10 cm noch einmal verstärkt zur Geltung kommt, oder können – in Form einer Rallye, wie sie auch von manchen Attraktionen angeboten werden – ein handfester Fortschrittsnachweis sein.

Die in Japan am weitesten verbreiteten Stempel, die man sammeln kann, sind die so genannten Eki-Stamps, die man sich an Bahnhöfen besorgen kann. Die ersten dieser bahnbezogenen Stempel wurden von der japanischen Staatsbahn schon im Jahr 1931 eingeführt. Heute gibt es über 9.000 offizielle Eki-Stamps an Bahnhöfen der JR sowie an manchen privaten Bahnlinien.

 

Wie funktioniert das Stempelsammeln in Japan im Alltag?

Grundsätzlich sammelt man Stempel in Japan ganz altmodisch, in dem man sie auf Papier, in ein Buch (am besten ohne Linierung, z.B. ein Reisetagebuch) auf Karten oder in offizielle Sammelhefte stempelt. Die Stempel selber befinden sich dabei häufig in wettergeschützten Stempelhäuschen (z.B. an Bahnhöfen und Wanderwegen) und sind abgesehen von Stempeln in Tempeln in aller Regel frei zugänglich und kostenlos zu gebrauchen.

Typische Standorte, an denen man Stempel in Japan finden kann, sind neben den schon genannten auch Aussichtspunkte, Museen, Rathäuser, Parks und Shops. Dabei sind viele der Stempel-Standorte ganz bewusst barrierefrei eingerichtet, rollstuhlgerecht gebaut oder höhenverstellbar. An belebten Orten wie Bahnhöfen werden die Geräte täglich gereinigt und nachgefüllt. Die typischen Stempelfarben in Japan sind übrigens vor allem Rot und Blau und es werden standardmäßig nur ungiftige Pigmente verwendet.

Beim Stempelsammeln in Japan muss man allgemein auf die Öffnungszeiten der Stempelstationen achten. Diese sind auch an öffentlichen Orten und Bahnhöfen teils an die Öffnungszeiten der Informationsschalter gebunden. Als Ausrüstung fürs Stempelsammeln benötigt man hingegen fast nichts, ein Stamp Book oder ein Notizbuch (möglichst ohne Linien) mit stabilen Seiten reicht schon aus. Zuletzt sind die teilweise nur saisonal stattfindenden Stempel-Rallyes erwähnenswert, von denen manche nur im Sommer, andere wiederum zu besonderen Events angeboten werden.

 

Wie funktionieren Stamp Rallys in Japan? – Ablauf, Belohnungen & Strategien

Stempel-Rallyes oder Stamp Rallys sind in Japan beliebte Events, bei denen man innerhalb eines festgelegten Zeitraumes bestimmte Stempel sammeln muss. Für das Sammeln gibt es bei den Rallyes Sammelkarten, die man sich im Voraus, zu Beginn oder während einer Rally an Ausgabestellen besorgen kann und auf die man die zu sammelnden Stempel stempelt.

Am Ende einer Rally winken den Teilnehmern dann je nach Anzahl der gesammelten Stempel kleine Preise wie bspw. Sticker, Pins, Postkarten oder Sonderstempel. Je nach Art und Umfang der Rally erhält man dabei z.B. für das Sammeln von 3 bis 6 Stempeln einen Basispin und ab 10 oder mehr gesammelten Stempeln ein exklusives Design.

Zu den weit verbreiteten Rally-Typen gehören:

  • Linien-Rallys von Bahnlinien (z.B. JR)
  • Stadt-Rallys
  • Anime-Rallys
  • Pokémon-Rallys

Die Dauer von Rallys kann stark variieren und reicht von 2 bis 8 Wochen für die großen Linien-Rallys (meist im Sommer) bis hin zu 24 Stunden Stadt-Rallys (werden gerne bei Festivals angeboten) oder sogar kleinen, oft an eine bestimmte Attraktion gebundene Rally von dann nur vielleicht 1-2 Stunden.

Für die Teilnahme an größeren Rallys sollte man sich ein bisschen Planung gönnen und im Vorfeld die Zielpunkte prüfen, diese auf einer Karte markieren und dann die Transportwege optimiert aussuchen. Dabei sollte man gerade bei den großen Linien-Rallys, die bis zu 60 Bahnhöfe umfassen können, vielleicht nicht unbedingt auf Vollständigkeit setzen.

 

Welche Stempelbücher gibt es – Vom Goshuin-chō bis zum Stamp-Rally-Book?

Da das Stempelsammeln in Japan so beliebt ist, werden dort auch verschiedene Stempelbücher angeboten, die speziell für das Sammeln von Stempeln gedacht sind. Die traditionellen Hefte für das Sammeln von Tempel- und Kalligrafiestempeln heißen in Japan Goshuin-chō. In diesen können aber natürlich auch andere Stempel gesammelt werden und sie sind schon für sich eine schöne Erinnerung nach einer Japanreise. Ein typisches Goshuin-chō kostet je nach Material der Bindung (typischerweise Seide, Stoff oder Leder) zwischen 1.000 und 2.000 Yen (etwa zwischen 5,50 und 11 Euro).

Neben den Goshuin-chō gibt es auch Stamp-Rally-Books, die von den Ausrichtern (oft JR oder Tourismusverbände) der jeweiligen Rally herausgegeben werden. Die japanische Bahn (JR) gibt zudem JR-Stampbooks für das Sammeln von Bahnhofsstempeln heraus, die in manchen Regionen sogar jährlich in einem neuen Design angeboten werden. Hinzu kommen Saisonale- oder Event-Sondereditionen.

Wirklich wichtig ist am Ende vor allem, dass das Papier in einem Heft oder Buch, in welchem man Stempel sammeln will, eine gewisse Stärke aufweist. Gut geeignet sind dabei Papierstärken in der Spanne zwischen 150 und 200 g/m², um saubere Abdrücke zu garantieren.

 Das genaue Format wiederum ist kaum entscheidend, in Japan gibt es typischerweise sowohl kleine (A6) und große (A5/B5) Hefte für das Sammeln von Stempeln. Längsformate sind dabei vor allem für das sammeln von Eki-Stamps an Bahnhöfen beliebt, da sich die Bahnhohfsreihenfolge so besser darstellen lässt. Typischerweise passen dabei in ein Stempelsammelheft in etwa zwischen 30 und 50 Stempel. Japaner mischen dabei nie Goshuin-Stempel (solche aus Tempeln) mit Freizeitstempeln (alle anderen Sammel-Stempel) in ein und demselben Buch.

 

Die beliebtesten Stempelarten in Japan – Welche gibt es?

Eki-Stamps – Bahnhofs-Stempel in ganz Japan

Eki-Stamps sind die Stempel, die man sich in Japan an vielen der insgesamt über 9.000 Bahnhöfen (JR und Metro), oft am Eingang oder am Infopunkt, holen kann. Die Stempel zeigen in der Regel regionale Sehenswürdigkeiten, Maskottchen oder Landschaften und werden aus hochwertigem Gummi hergestellt, das maschinell graviert wurde.

Eki-Stamps sind seit den 1960er Jahren weit verbreitet und besitzen heute in Japan absoluten Kultstatus. Einer der Vorteile beim Sammeln von Eki-Stamps ist, das diese nicht nur quasi überall zu finden, sondern auch kostenlos sind, was sie ideal für Einsteiger macht.

Viele Bahnlinien bieten zudem Eki-Stamp-Rallys an, bei denen ein komplettes Set gesammelt werden kann bzw. muss. Die Designs werden dabei in der Regel alle drei bis fünf Jahre erneuert und spezielle Event-Stempel sind teils sogar nur in kleiner Auflage vorhanden bzw. nutzbar.

 

Tempelstempel – Goshuin (御朱印) aus Schreinen & Tempeln

Die Goshuin oder Tempelstempel waren ursprünglich ein Nachweis für eine getätigte Pilgerreise und die während dieser abgeschriebenen Sutren (Textabschnitte aus den heiligen Texten des Buddhismus). Heute werden sie von den meisten eher als eine spirituelle Kunstform angesehen.

Jeder Tempel unterhält für die Goshuin ein eigenes Kalligrafie-Team, das die Stempel designt und mit der Hand herstellt. In manchen Tempeln gibt es nur saisonale oder monatlich wechselnde Goshuin, so das diese nicht selten auch einen besonderen Sammlerwert haben.

Als Farbe wird für Tempelstempel vor allem Rot verwendet, das mit schwarzer Kalligrafie als sozusagen religiöse Signatur ergänzt wird. Historische Goshuin gelten in Japan zudem als wertvolle Familienerbstücke.

Das Sammeln von Goshuin hat absolut keinen Rally-Charakter, sondern eine gerade für gläubige Japaner und Buddhisten wichtige religiöse Bedeutung. Daher entspricht es auch der Etikette, erst eingehend zu beten und erst danach bei den Mönchen anzufragen, ob man einen Goshuin-Stempel erhalten kann.

Anders als bei den meisten anderen Stempeln in Japan muss man für Goshuin zahlen. Der Preis für einen solchen Stempel in einem Tempel liegt zwischen 300 und 500 Yen (ca. 1,65 bis 2,74 €).

 

Pokémon-Stempel – Sammeln für Fans & Familien

Pokémon-Stempel wurden zum ersten mal in den 1990er Jahren aufgelegt und angeboten. Diese ersten Events waren dabei noch regional begrenzt, heute gibt es große, landesweite Kampagnen. Finden kann man Pokémon-Stempel an so unterschiedlichen Orten wie Bahnhöfen, Rathäusern, Tourismuszentren und natürlich in den Pokémon-Centern. Bei den Designs gibt es sowohl lokale Pokémon-Motive (z.B. Lapras in Miyagi), als auch regionale Symbole, die in der Regel jedes Jahr in neuen Editionen erscheinen.

Pokémon-Stempel richten sich vor allem an Familien, Anime-Fans und Touristen und werden oft in Kampagnen oder spielerischen Rallys angeboten. Gerne werden kleinere Aktionen in Sommerfestivals integriert, die Anzahl der Stempelstandorte bei größeren Events kann aber auch 30 bis 50 umfassen. Aufgrund ihres Sammlerwertes und den exklusiven Belohnungen für die Rally-Teilnahme wie Sticker oder Serienmotive, sind manche Sets innerhalb weniger Wochen ausverkauft.

 

Themenbezogene Stempel-Rallys – Museen, Burgen & Freizeitparks

Viele Attraktionen in Japan, darunter Museen, Burgen und Freizeitparks, bieten Stempel-Rallys für Besucher an. Die zu sammelnden Stempel können abhängig vom spezifischen Ort auch schon mal limitierte Saisonstempel oder bei den Nationalmuseen sogar historische Motivstempel sein.

Dabei sind ausstellungsspezifische Stempel oft nur für Besucher verfügbar. Ziel dieser Attraktionsinternen Stempel-Rallys ist es dabei, die Besucher so zu motivieren, verschiedene Orte innerhalb der Attraktion aufzusuchen.

Die Motive der Stempel sind im allgemeinen von der jeweiligen Attraktion abhängig. So finden sich in Burgen und Schlössern oft Stempel mit Wappen und Architekturdetails, in japanischen Freizeitparks (z.B. Disneyland Tokyo oder Ghibli-Park) hingegen thematische Serien zum Thema wie bspw. saisonale Disney-Stempel. Aussichtsorte wie der Tokyo Skytree, Umeda Sky oder der Landmark Tower hingegen haben oft Stempel auf den Panoramadecks mit Aussicht oder der Architektur des Aussichtsturms.

 

Anime & Manga Stempel – Von One Piece bis Jujutsu Kaisen

Anime und Manga-Stempel finden sich vor allem in den hierfür bekannten Stadtteilen wie Akihabara, Ikebukuro und Kumamoto sowie an weiteren Anime-Pilgerstätten. Die Stempel werden in Kooperation mit Studios und beliebten Manga- oder Anime-Serien herausgegeben.

Oft handelt es sich bei diesen Stempelaktionen um nur während bestimmter Eventzeiträume erhältliche Stempel, was diese für Sammler und Fans nur umso begehrter machen und jedes Jahr hohe Teilnehmerzahlen zu den entsprechenden Rallys anzieht. Als Belohnung winken – neben exklusiven Sets und der Möglichkeit vollständige Reihen zu sammeln – Pins, Poster oder Sammelkarten, manchmal mit exklusiven Designs.

Die Zielgruppe für diese Stempelart sind vor allem Fans und in geringerem Umfang Sammler. Die oft mit der Herausgabe eines solchen Stempelsets einhergehenden Rallys dauern meist zwischen 4 und 10 Wochen und haben unter anderem oft das Ziel, die Teilnehmer zu Originalschauplätzen von beliebten Manga- und Anime-Serien zu führen.

 

Natur- & Wanderstempel – Nationalparks & Outdoor-Routen

Natur- und Wanderstempel finden sich in Nationalaparks und bekannten Outdoor-Routen wie z.B. Shiretoko, Nikko, Nakasendo und auf den Kumano Kodo Pilgerpfaden. Die Stempel sollen dabei vor allem als Erinnerung und Etappennachweis dienen, weshalb sich diese meist auch am Etappenende von Wanderwegen oder an bekannten Aussichtspunkten finden lassen.

Aufgrund der Witterungsbedingungen sind viele Stempel in den Nationalparks nur saisonal zugänglich. Die beste Zeit, um diese zu sammeln ist im allgemeinen der Herbst oder der Frühling.
Wander- und Naturstempel haben oft geografische Linien, Höhenangaben oder UNESCO-Weltnaturerbe Markierungen als Design, manchmal auch Tiere, für die eine Gegend bekannt ist.

Die Stempel finden sich meist in kleinen Stempelhäuschen, die man entlang der Route aufgestellt hat und sind natürlich besonders bei Wanderern und Outdoor-Fans beliebt. Teilweise haben die Stempel zudem die Funktion, als Kontrollpunkt zu dienen.

 

Regionale Maskottchen & Tourismus-Stempel (Yuru-Kyara)

In Japan sind Stempel weit verbreitet, auf denen regionale Maskottchen abgebildet sind und die oft von den Tourismus-Abteilungen der jeweiligen Regionen und Städte herausgegeben werden, weshalb man diese auch als Tourismus-Stempel bezeichnen kann (manche zeigen anstatt eines Maskottchens auch eine lokale Sehenswürdigkeit).

Die Stempel zeichnen sich oft durch deutlich farbenfrohere Designs aus, als dies bei den herkömmlichen Eki-Stamps der Fall ist und finden sich an zentralen Orten wie Rathäusern, Einkaufsstraßen oder Touristen-Informationen.

Der Zweck der Tourismus-Stempel ist neben dem Angebot für Touristen, die neben Familien besonders von diesen angezogen werden, die Stärkung der regionalen Identität. Übrigens gibt es in Japan über 1.000 registrierte Maskottchen und manche Regionen wechseln das Design und Motiv der Stempel sogar jährlich. Die Auswahl der Motive folgt dabei immer der Logik, einen regionalen Bezug herzustellen, so z.B. das Maskottchen Kumamon in Kumamoto, für die dieses steht.

 

Limitierte & saisonale Stempel – Was man nur einmal im Jahr bekommt

Limitierte und saisonale Stempel gibt es vor allem anlässlich von Winter- und Sommer-Matsuri (Festivals) sowie zu den besonders wichtigen japanischen Jahreszeiten wie Sakura (Kirschblüte), Koyo (Herbstlaubfärbung) und zu Neujahr, dem wichtigsten Feiertag in Japan.

Diese saisonalen Stempel haben immer mit dem Anlass korrespondierende Motiven. Die Jahreszeitenmotive in den jeweiligen Editionen sind oft besonders beliebt, während Matsuri-Stempel nur an einem oder zwei Tagen im Jahr während des spezifischen Matsuri erhältlich sind.

Andere Formen von limitierten Stempelaktionen gibt es in Wochenendaktionen zu bestimmten Anime-Events. Dabei sind manche dieser Stempel nur solange verfügbar, wie die Tinte reicht. Gerade limitierte Anime-Stempel haben daher teils auch einen echten Sammlerwert.

Zuletzt gibt es auch saisonale Sonderstempel in manchen Regionen, mit denen Tourismus-Kampagnen begleitet werden und mit denen mitunter auch eine gewisse Besucherlenkung einhergeht.

 

Digitale Stempel in Japan – QR-Codes, Apps & moderne Rallys

Natürlich haben sich in Japan auch Stempel inzwischen in die digitale Welt hinein ausgebreitet. So gibt es inzwischen in rund 50 japanischen Städten so genannte QR-Rallys, bei denen man digitale Stempel sammeln kann.

Die Bahnlinie JR East bietet sogar eine eigene Stamp Rally App an, mit der man an den Bahnhöfen auch digital Stempel sammeln kann. Neben den digitalen Stempeln erhält man nach gewissen Sammelpunkten auch digitale Bonuspunkte und virtuelle Belohnungen, ganz ähnlich wie bei nicht digitalen Stamp-Rallys. Bei den Apps gibt es zudem Fortschrittsspeicherung, Routenplanung sowie digitale Badges.

Die Vorteile liegen auf der Hand: keine Wartung für Stempelmaschinen, große Sicherheit und man braucht nicht einmal ein Papierheft sondern lediglich das eigene Smartphone.

Die Zielgruppe für digitale Stempel, QR-Rallys und Stamp Apps sind vor allem junge Besucher und Smartphone-orientierte Besucher. Dabei wird bei regionalen Events auch gerne Pokémon GO in diese Art der digitalen Stempel-Sammelaktionen integriert.

 

Wie planst man eine Stempeltour in Japan am besten?

Für eine Stempeltour in Japan muss man sich erst mal ein Stamp-Book besorgen und dieses dann mitnehmen. Dabei kann es sinnvoll sein, die Seiten vorher zu markieren. Danach muss man sich für eine Rally entscheiden.

Für Touristen bieten sich vor allem die typischen Stadt-Rallys (meist 3 bis 10 zu sammelnde Stempel) oder Linien- bzw. Bahn Rallys (ca. 20 bis 60 Stationen/Stempel) an, aber auch Themen-Routen, z.B. Zu einer Anime-Serie, sind natürlich möglich. Bei den Linien-Rallys beträgt die Transportzeit zwischen den Bahnhöfen durchschnittlich etwa 3-5 Minuten bei Stadtbahnhöfen oder Metro-Linien und etwa 10 bis 30 Minuten bei JR-Linien (Regionalverkehr).

Dabei muss man beachten, das die Stempelstationen selber teils schon zwischen 17 und 19 Uhr schließen. Für Stempeltouren in Tokio ist das „24h Metro Ticket“ ideal.

In Hinsicht auf die Zeitplanung muss man für kleine Rallys oder Stempeltouren etwa 1-2 Stunden einplanen, für große Rallys dann allerdings oft gleich mehrere Tage. Apps und digitale Stempelkarten für das digitale Stempelsammeln findet man auf dem JR-Routenplaner und auf Eventseiten. Die höchste Stempeldichte findet sich dabei natürlich in den Großstädten wie Tokio, Osaka und Nagoya.

Japanwelt-Tipps

  • Standorte und Route im Vorfeld planen;
  • Früh starten und Stoßzeiten vermeiden;
  • Stempelstationen vorsichtig nutzen und nicht verschmutzen.

 

Wo finde ich die schönsten Stempel in Japan? – Städte, Regionen & Highlights

  • Tokio: In Tokio kann man neben den ikonischen Bahnhofsstempeln auch gut Pokémon-Stempel in den entsprechenden Stadtteilen und Centern sammeln. Hinzu kommen Museen und der Tokyo Skytree. Besonders detailreiche Stempel findet man dabei im Skytree, in Asakusa, Ueno und Tokyo Station.
  • Osaka: Die schönsten Stempel in Osaka findet man im Osaka Castle, dem Umeda Sky Building und thematischen Stadtprogrammen. Sehr beliebt sind zudem Stempel aus dem berühmten Stadtviertel Shinsekai.
  • Kyoto: In Kyoto gibt es aufgrund der vielen Tempel besonders viele Möglichkeiten, schöne Goshuin-Tempelstempel zu sammeln. Manchmal kann man dabei sogar Anime-Stempel im selben Stadtgebiet finden. Diese sollte man aber nicht mischen! Das gehört sich in Japan nicht.
  • Hokkaido: Auf Hokkaido findet man viele besonders große Eki-Stempel mit touristischen Motiven. Sehr beliebt sind auch die Stempel aus den Natur- und Nationalparks der Insel.
  • Kyushu: Auf Kyushu findet man neben Bahnhofsserien auch viele Stempel mit regionalen Motiven. Besonders bekannt und geradezu regionale Highlights sind die vielen Yuru-Kyara-Stempel Stempel (Maskottchen), die man hier finden kann.

 

Japanwelt-Spezial-Tipps

Wer in Japan Stempel sammeln will, der sollte nach speziellen und oft limitierten Event-Stempeln Ausschau halten. Weitere tolle Stempel-Möglichkeiten bieten Freizeitparks wie Ghibli-Park oder DisneySea in Tokio.

 

Japanwelt-Tipps für verantwortungsbewusste Stempel- und Kulturpraxis

Allgemein:

  • Stempel sollten zum Materialschutz nicht gedreht oder verkantet werden, um Beschädigungen zu vermeiden.
  • Stempelstationen sollten immer sauber verlassen werden.
  • Stempel gehören auf Papier in einem Heft, Bogen oder Buch, nicht auf den Körper oder die Kleidung.
  • Papier sollte stabil fixiert werden, um einen schönen, klaren Abdruck zu erzielen.
  • Personen nicht beim Stempeln einfach ungefragt Fotografieren.
  • Reinigungstipp: Bei Farbüberlauf den Papierrand mit Taschenpapier (z.B.Taschentuch) abdecken.

 

Besondere Tipps und Regeln für Goshuin (Tempelstempel):

  • Die Tempelregeln müssen beachtet werden.
  • Das Stempeln eines Goshuin sollte ruhig und respektvoll vor sich gehen.
  • Während der Erstellung einer Goshuin-Kalligrafie ist das Fotografieren nicht erlaubt.
  • Auf die Hygiene achten – in vielen Tempel wird erwartet, dass man nur mit sauberen Händen mit den Goshuin-chō
  • Goshuin sollten nur in das richtige, extra für diese vorgesehene Buch gestempelt werden, alles andere wird als respektlos angesehen.

 

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Titelfoto © Kieran auf Unsplash

 

 

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